Bürgerverein Bamberg-Ost vor Ort – Besuch im Wohnpark Rotseelein

Den meisten Bambergern dürfte die Siedlung eher unter dem Namen Nato-Siedlung bekannt sein. Erbaut in den 80er Jahren als Bauherrenmodell, war sie von Anfang an in Privatbesitz und nahm somit eine Sonderrolle im Konversionsprozess ein. Da die Siedlung nicht dem Bund gehörte, war es möglich, dass direkt nach dem Abzug der US-Truppen, bereits im Dezember 2014 die ersten neuen Bewohner einziehen konnten.

Die Perspektiven waren vielversprechend.

149 Wohneinheiten prädestiniert für Familien mit Kindern, eingebettet in den Hauptsmoorwald. Im Westen angrenzend an die ehemalige Grundschule („Bamberg Elementary School“), im Süden an die ehemalige Offizierssiedlung; ebenfalls eine exzellente Wohnlage. Die Konversionspläne versprachen Wohnen im Grünen mit allen Annehmlichkeiten urbaner Infrastruktur.

Doch es sollte anders kommen. Durch die Ansiedlung der AEO und des Aus- und Fortbildungszentrums der Bundespolizei (BPOLAFZ) wurde die Siedlung vom Rest der Stadt abgetrennt. Aus Wohnen im Grünen mit urbaner Infrastruktur wurde Wohnen hinter Zäunen in einer regelrechten Exklave.
Dieser Zustand dauert nun bereits fast drei Jahre an und eine Veränderung ist nicht in Sicht.

Diese Situation und auch die Eigentümerstruktur bringt Herausforderungen mit sich, die nicht alltäglich sind. Um sich ein Bild von diesen speziellen Herausforderungen zu machen, besuchten Mitglieder des Bürgerverein Bamberg-Ost an einem Samstagvormittag den Siedlungsbeirat des Wohnparks am Rotleinsee. Der Vorsitzende des Bürgervereins, Heinz Kuntke hatte den Besuch zusammen mit Stephan Jammel vom Beirat des Wohnparks organisiert.

Zu Beginn des Treffens erläuterte Stephan Jammel kurz die Entstehung der Siedlung und die aktuelle Situation. Den Schwerpunkt der Anwohner stellen Familien mit Kindern dar. So leben in den 149 Häusern über 180 Kinder.

Ein Paradies für Kinder – eine Herausforderung für die Eigentümergemeinschaft.

Eine Besonderheit der Siedlung sind in diesem Zusammenhang die fünf Spielplätze in der Siedlung. Was für die Kinder ein Paradies ist, ist für die Grundstückseigentümer eine Herausforderung, denn die Spielplätze sind im Eigentum der Siedlergemeinschaft und müssen von den Siedlern selbst betrieben und unterhalten werden. So musste viel Arbeit und auch Geld investiert werden um die Spielplätze zu sanieren und deutschen Vorschriften und Normen entsprechend anzupassen. Hilfe seitens der Stadt gab es nicht, da es sich um private Spielplätze handelt.

Während für Kinder ausreichend Spielmöglichkeiten gegeben sind, gestaltet sich die Situation für Jugendliche schwierig. Zwar gibt es in Steinwurfweite, Sport- und Freizeiteinrichtungen, doch liegen diese hinter Zäunen auf dem Gelände der AEO, beziehungsweise der Bundespolizei. Der Beirat engagiert sich deshalb dafür eine Wiese am nördlichen Ende der Siedlung, die an die ehemalige Grundschule angrenzt, als Bolzplatz nutzen zu können. Hier gibt es allerdings Einwände der Bundespolizei, da die Sicherheitsabstände zu gering seien. Ein Grund sei, dass die überwiegend jugendlichen Polizeischüler auf dem Areal scharfen Waffen trügen.
Eine unverständliche Argumentation, grenzen die Bauten der BPOL andernorts doch direkt an öffentlichen Grund an.

Sorgen bereitet den Anwohnern auch die Versorgung mit Kitaplätzen und Schulen. Zum einen reicht die in näherer Umgebung aktuell vorhandene Zahl an Kitaplätzen nicht aus um die Nachfrage zu befriedigen und auch der Schulraum in Bamberg-Ost und in der Gartenstadt wird allmählich knapp.

Die Siedlung gleicht einer Exklave – abgeschnitten vom Rest der Stadt.

Dazu kommt die abgeschnittene Lage der Siedlung. Zwar wird ein Geh- und Radweg entlang der Pödeldorferstraße die Situation entschärfen, aber an den langen Wegen ändert das nichts. Die einzige fußläufige Verbindung ist ein Fußweg über den Golfplatz und durch den Wald in die Gartenstadt, der ab 19 Uhr abgesperrt ist.

Trotz aller Widrigkeiten ist die Stimmung in der Siedlung gut.

Abgesehen von den Zäunen gibt es keine Einschränkungen oder Belastungen durch die AEO. Auch der Wert der Immobilien habe nicht gelitten, denn dieser steige immer noch so Stepan Jammel.
Die Anwohner erhoffen sich einerseits die Unterstützung der Stadt beim Unterhalt der Spielplätze aber auch beim Thema Verkehrsanbindung, Kitas und Schulen. Eine weitere Hoffnung ist, dass die Bundespolizei irgendwann den ehemaligen Engineers-Lake und eine Unterführung, die in den Hauptsmoorwald führt, freigibt und somit den Zugang zu Naherholungsgebieten, die quasi vor der Haustüre liegen ermöglicht.
Es gilt die Kontakte zu intensivieren und sich auch künftig auszutauschen, so Heinz Kuntke. Der Bürgerverein wird die Entwicklung in der Siedlung aufmerksam begleiten und so ist das nächste Treffen zwischen Beirat und Bürgerverein ist bereits in Planung.

 

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